Enzo Enea, der Picasso der Gärtner, im Gespräch mit CREATIO

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Enzo Enea, der Picasso der Gärtner, im Gespräch mit CREATIO

AUTHOR

Manuel Inauen

DATUM

March 31, 2026

Enzo Enea ist einer der führenden Landschaftsarchitekten der Schweiz und Gründer von Enea Landscape Architecture. Nach absolvierten Studiengängen in Industriedesign und Landschaftsarchitektur baute er sein Unternehmen zu einer international bekannten Marke aus, mit Niederlassungen in Miami, New York und Mailand. Besonders bekannt ist sein Baummuesum in Rapperswil-Jona, das über 50 gerettete Baumarten beherbergt und ein Statement für die Relevanz der Natur für den modernen Menschen darstellt. Enea’s Stärke liegt auf der Verschmelzung von Architektur und Natur, um nachhaltige und lebenswerte Aussenräume zu schaffen.

Ihr Vater war Steinmetz und importierte Terrakotta. Heute sind Sie einer der bekanntesten Landschaftsarchitekten der Schweiz und geniessen international grosses Ansehen. Was bewog Sie diesen Weg zu gehen?

Enzo Enea: Die Arbeit mit meinem Vater hat meine Faszination für Gärten früh geweckt. Schon als Kind begleitete ich die Lieferungen und sah, wie die Terrakottatöpfe in die Gärten integriert wurden.
So entwickelte ich ein tiefes Verständnis für Formen, Strukturen und die Wirkung von Gestaltungselementen im Aussenraum. Mit der Zeit wurde mir klar, dass ich nicht nur dekorative Elemente beisteuern, sondern ganze Gärten gestalten wollte – lebendige, harmonische Räume, die Natur und Architektur verbinden.

Noch heute schaue ich täglich auf die grosse Sammlung von Stein- und Terrakottatöpfen, die hier in Rapperswil wie in einem Setzkasten auf einem Regal ausgestellt ist. So verliere ich meine Wurzeln nicht aus den Augen und halte die Verbindung zu meiner Herkunft lebendig.

Sie sprechen oft von der Verbindung zwischen Technik und Natur. Was meinen Sie damit?

Enzo Enea: Wir müssen Technologie nutzen, ohne die Natur auszubeuten. In den letzten 120 Jahren haben wir durch Industrialisierung enormen Wohlstand geschaffen – doch dabei oft den Bezug zur Natur und unserer Herkunft verloren. Die Zukunft liegt darin, Technik und Natur in Einklang zu bringen und vermeintliche Gegensätze zu vereinen. Ein Beispiel dafür ist die nachhaltige Gestaltung urbaner Räume, indem wir der Natur gezielt Raum zurückgeben und Städte lebenswerter machen.

Was macht einen Aussenraum wirklich lebenswert?

Enzo Enea: Im Wesentlichen sind es zwei zentrale Elemente: Grünflächen und Schatten. Das Zusammenspiel von Licht, Schatten und Biodiversität schafft eine einladende und harmonische Atmosphäre. Ein kahler, betonierter Platz kann niemals die gleiche Wirkung wie ein lebendiger Raum mit Bäumen, Wasser und natürlichen Geräuschen entfalten. Städte sollten ihre Aussenräume so gestalten, dass sie das Wohlbefinden der Menschen aktiv fördern – idealerweise mit heimischen Pflanzen, die sich optimal an die örtlichen Umweltbedingungen angepasst haben.

Wie sieht die Stadt der Zukunft aus?

Enzo Enea: Die Stadt der Zukunft wird deutlich grüner und natürlicher. Dabei gilt, wie in vielen Bereichen, Qualität vor Quantität. Es geht nicht allein um grosse Parks, sondern um ein Netzwerk grüner Mikrostrukturen – begrünte Dächer, Fassaden und kleine Pocket Parks. Solche Elemente tragen dazu bei, dass sich Menschen in urbanen Räumen wohler fühlen. Gleichzeitig sollte der Verkehr vermehrt in den Untergrund verlegt werden, um den Boden als wertvollen Lebensraum zurückzugewinnen.

Ein Umdenken ist auch bei Immobilieninvestoren erforderlich: Attraktive Grünflächen, die gerne genutzt werden, schaffen einen Mehrwert für die Menschen und steigern zugleich den Immobilienwert. Die Bedeutung einer durchdachten, grünen Umgebung wird heute noch viel zu oft unterschätzt.

Weshalb haben Sie das Baummuesum in Rapperswil gebaut?

Enzo Enea: Das Baummuseum ist weit mehr als nur ein Park – es ist eine lebendige Botschaft. Ich habe es geschaffen, um den Menschen die tiefe Verbindung zwischen Natur und Mensch bewusst zu machen, um sie an ihre eigene Herkunft und Existenz zu erinnern. Die über 50 Bäume hier stammen aus der Region und wären sonst abgeholzt worden. Indem ich ihnen hier einen neuen Lebensraum gebe und sie mit Kunst in Szene setze, möchte ich inspirieren: Nach einer langen Phase des Wohlstandsgewinns durch Industrialisierung und der damit verbundenen Ausbeutung natürlicher Ressourcen ist es an der Zeit, ein Gleichgewicht herzustellen.

Die Anlage ist bewusst als 400-Meter-Rundweg gestaltet – inspiriert von der klassischen Olympia-Laufbahn der Antike. Damals erhielten die Sieger keinen Goldtaler, sondern einen Lorbeerkranz – ein Symbol für Ehre und Leistung. Diese Idee hat mich tief beeindruckt: Es geht nicht um materiellen Gewinn, sondern um das, was man mit Leidenschaft, Überzeugung und Respekt gegenüber der Natur erschafft.

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